{"id":29,"date":"2009-03-31T16:23:04","date_gmt":"2009-03-31T14:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/kokosnussblog.kulau.de\/2009\/03\/31\/bio-lokal-regional-global-alles-egal\/"},"modified":"2020-08-15T20:31:10","modified_gmt":"2020-08-15T18:31:10","slug":"bio-lokal-regional-global-alles-egal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kokosnussblog.de\/fr\/bio-lokal-regional-global-alles-egal","title":{"rendered":"Transportweg Kokosnuss kontra Klimaschutz?"},"content":{"rendered":"<strong>Bio &#8211; lokal &#8211; regional &#8211; global &#8211; alles egal?<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema regionaler Konsum scheint in diesen Tagen f\u00fcr viele \u00f6kologisch orientierte Verbraucher eine gro\u00dfe Rolle zu spielen.\u00a0Viele stellen sich immer \u00f6fter die Frage, ob man eigentlich mit gutem Gewissen Kokosnussprodukte und andere Produkte aus weit entfernt liegenden L\u00e4ndern genie\u00dfen darf, wenn es doch auch in der Nachbarschaft gesundes regionales Obst und Gem\u00fcse gibt, welches nicht von weit her transportiert werden muss.<\/p>\n<p>Trotz der naheliegenden wiederholt vorgetragenen Gr\u00fcnde die f\u00fcr regionale Produkte sprechen, m\u00f6chte ich an dieser Stelle einmal Argumente sammeln, die daf\u00fcr sprechen mit gutem Gewissen auch Bio-Kokosnussprodukte zu kaufen.<\/p>\n<p><strong>1. Energieeffizientes Wachstum und Verarbeitung von Kokosn\u00fcssen:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Wachstum und die Verarbeitung von Kokosn\u00fcssen in den regenreichen, sonnenreichen und fruchtbaren Tropen wird kaum Energie verwendet. Die Kokosnussbauern wohnen auf der Plantage oder in der N\u00e4he, sodass sie ihren Arbeitsplatz zu Fu\u00df oder mit dem Fahrrad erreichen k\u00f6nnen. Die Bio-Kokosn\u00fcsse wachsen ohne Bew\u00e4sserung und ohne k\u00fcnstliche D\u00fcngung. Im Gegensatz zur Produktion von vielen regionalen Obstsorten ist bei Kokosn\u00fcssen kein k\u00fcnstliches Licht und keine Heizung erforderlich. Gem\u00e4\u00df einer Studie aus dem Jahr 2007 von der englischen Cranfield University k\u00f6nnen Rosen aus Kenia wegen der idealen Anbaubedingungen eine bessere Klimabilanz haben als Rosen aus den Niederlanden, auch wenn man den Transport mit ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Wir untersuchen gerade noch genau wie viel CO\u00b2 der Transport von Kokosn\u00fcssen auf dem Weg von Asien nach Deutschland verbraucht. Es sind ca. 160 Gramm Kohlendioxid, die pro Kilogramm Kokosprodukt ausgesto\u00dfen werden. Ein mit der &#8216;Umweltpr\u00e4mie&#8217; gef\u00f6rderter Neuwagen st\u00f6\u00dft auf einen Kilometer etwa gleich viel Kohlendioxid aus. Ich wage die Hypothese, dass ein \u00d6kokonsument, der mit dem Auto zum Biobauernhof f\u00e4hrt, um regionale Produkte zu kaufen, mehr CO\u00b2 verbraucht, als jemand der Kokosnussprodukte im Internet einkauft oder sie mit dem Fahrrad im Laden erwirbt. Aber es ist zun\u00e4chst eine Hypothese, die noch bewiesen werden sollte. Insgesamt sollte die Behauptung, dass regionales Obst und Gem\u00fcse immer besser ist als globale Produkte, im Interesse einer besseren globalen CO\u00b2-Bilanz, noch intensiver untersucht werden.<\/p>\n<p><strong>2. Biokokosn\u00fcsse sind besser als konventionale Kokosn\u00fcsse<\/strong><\/p>\n<p>Die Bio-Kokosn\u00fcsse werden nicht mit Pestiziden behandelt. W\u00e4hrend auf konventionellen Kokosnussplantagen oft zwischen den Palmen nichts mehr w\u00e4chst, gedeiht zwischen den Palmen auf Bio-Plantagen eine vielf\u00e4ltige Mischkultur, die wiederum positiv zum Klima beitr\u00e4gt. Bio laut der EG-\u00d6ko-Verordnung hei\u00dft nicht nur, dass die Herstellung \u00f6kologisch erfolgen muss, sondern auch dass bestimmte ethische Anforderungen erf\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4tssicherung von Bio-Produkten die aus entfernten L\u00e4ndern kommen, ist \u00fcbrigens dadurch gew\u00e4hrleistet, dass ein Erzeuger, der seine Kokosnussprodukte mit dem Bio-Siegel der EG-\u00d6ko-Verordnung versehen will, mit einer akkreditierten europ\u00e4ischen Kontrollstelle zusammenarbeiten muss, die den gesamten Herstellungsprozess einschlie\u00dflich der Vertriebswege entsprechend streng \u00fcberpr\u00fcft. Zus\u00e4tzlich sind auf Langfristigkeit angelegte, vertrauensvolle Beziehungen zu ausl\u00e4ndischen Produzenten wichtig.<\/p>\n<p><strong>3. Sekund\u00e4rer Effekt \u2013 Handel mit Kokosn\u00fcssen ist Entwicklungshilfe<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es nicht unbedingt die Klimabilanz betrifft, so sollte doch noch mal betont werden, dass Handel die wahrscheinlich beste Entwicklungshilfe ist. Eine Kokosnusspflanze verspricht Wachstum in unterentwickelten Regionen und viele Bauernfamilien weltweit leben von ihren Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p><strong>4. Die Alternative zu globalen Produkten \u2013 ab heute nur noch Gr\u00fcnkohl und Pinkel?<\/strong><\/p>\n<p>. ..und schlie\u00dflich geh\u00f6rt es zu den Errungenschaften unserer Essenskultur, dass wir Produkte in unseren Speiseplan integrieren, die es in Schleswig-Holstein oder in Bayern nicht gibt. Wenn es keinen globalen Konsum geben w\u00fcrde, dann w\u00e4re keine Banane und keine Kiwi erlaubt und wenn man konsequent w\u00e4re dann m\u00fcsste man selbst auf den Curry im Reis und den Zimt auf dem Kuchen verzichten. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Ab heute gibt es nur noch Gr\u00fcnkohl und Pinkel oder Weisswurst und Kartoffelsalat oder was man sonst noch vor 100 Jahren gegessen hat, als es noch keinen Welthandel gab. Kokosn\u00fcsse wachsen nun mal nicht in Europa, also d\u00fcrfen wir sie ohne schlechtes Gewissen genie\u00dfen, besonders wenn wir sie mit vielen regionalen Gerichten mischen. Wie w\u00e4re es mit einem Spargelcurry in Kokossauce.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bio &#8211; lokal &#8211; regional &#8211; global &#8211; alles egal? 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