In einem amüsanten Kurzartikel im Reiseteil ihrer Onlineausgabe hat die BILD ungewöhnliche Hoteljobs profiliert. Mit dabei: der “Kokosnusssicherheitsbeauftragte” (Coconut Security Engineer), der im Ritz Carlton auf St. Thomas, eine der amerikanischen Jungferninseln in der Karibik, die Gäste vor Verletzungen durch fallende Kokosnüsse bewahren soll.
Wenn das stimmt, wäre das doch bestimmt ein Traumjob für einige unserer kokosnussbegeisterten Leser, oder? Ich bin bei solchen Geschichten aber naturgemäß immer etwas skeptisch, besonders weil dieser Job in dem als Quelle angegeben Artikel der LA Times gänzlich fehlt. Und wenn man “coconut security engineer” googelt, landet man immer nur auf Listenseiten mit dubiosem Wahrheitsgehalt (z.B. diese hier). Ich habe beim Ritz Carlton um eine Bestätigung und eventuelle weitere Infos gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. Sobald ich diesbezüglich mehr weiß, poste ich das hier.
Gefährlich können Kokospalmen natürlich schon sein. Fallende Kokosnüsse sind die Ursache vieler Verletzungen in tropischen Ländern. Aber die Gefahr wird hier oft etwas überbewertet. Wir haben hier auch schon von der Studie von einem Dr. Barss aus dem Jahre 1984 berichtet, derer zufolge ungefähr 150 Menschen pro Jahr schweren Kokosnussverletzungen erliegen. Aber diese Studie, so schreibt Mythentestseite The Straight Dope (englisch), war so fragwürdig, dass ihrem Autor 2001 nachträglich der Ig Nobel Preis durch die Uni Harvard verliehen wurde - ein Preis, der besonders methodisch unsaubere oder sogar offensichtlich schwachsinnige Forschung “würdigt”. Die Zahl war eine Hochrechnung der Fälle in einem Krankenhaus in Papua-Neuguinea auf die gesamte Weltbevölkerung! Aber trotz eines solch offensichtlichen logischen Fehlers bei diesem Ansatz wird diese Zahl im Netz ständig wiederholt.
Ob also ein Hotel wirklich eine Stelle speziell hierfür einrichten würde? Wie qualifiziert man sich überhaupt für so einen Job? Ich denke mal, hier ist gesunde Skepsis angesagt.
In der FAZ vom Freitag, den 27. November 2009 findet sich im Wirtschaftsteil der folgende Artikel über das Trendgetränk Kokosnusswasser von Roland Lindner:
Kokoswasser ist also anscheinend “das neue Trendgetränk in Amerikas Städten”, und der Unternehmer Michael Kirban glaubt, dass er seinen Umsatz von zwanzig Millionen Dollar in zwei Jahren verfünffachen werde, trotz zu erwartender Konkurrenz der Getränkegiganten Coca-Cola und Pepsico. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, wo plötzlich die ganzen Kokosnüsse herkommen sollen. Leider haben sich die Autoren nicht die Mühe gemacht vor der eigenen Haustür nach Kokoswasser zu suchen. In Berlin wären Sie fündig geworden, Kulau bietet sein Produkt bereits seit Sommer 2008 in Deutschland an. Ebenfalls nicht beachtet wurde der New Yorker Trend frisches Kokoswasser in Büros der Metropole zu liefern. So liest sich der Artikel fast wie eine Pressemitteilung der Amerikanischen Firma. Wer sich auf der Website des Herstellers umsieht wird auch schnell erkennen, das große Teile fast 1 zu 1 übernommen worden zu sein scheinen. Aber Journalismus ist halt auch nicht mehr was es mal war.
Allgemein wird oft davon ausgegangen, dass es bei Kokosnüssen keinen Unterschied macht, ob die Ware nun biologisch ist oder nicht, da die Kokosnüsse vor allem wild wachsen würden. Das dies nicht stimmt, wurde uns vor Kurzem erneut deutlich gemacht. Auf der Anuga (Lebensmittelmesse in Köln) trafen wir viele Kokosnussproduzenten, darunter auch einige mit Bio-Produkten. Einer der Produzenten gab an, die Bio-Produktion aufgeben zu wollen. Die überraschende Begründung: die Arbeiter würden sich weigern auf den Bio-Plantagen zu arbeiten, da dort zu viele Spinnen und Schlangen ihr zu Hause hätten. Abgesehen davon, dass diese Aussage wohl eher als Vorwand zu bewerten ist, zeigt sich doch, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft gibt. Zwar mag es stimmen, dass die Kokospalmen selbst nicht behandelt werden, jedoch stehen zwischen den Palmen häufig noch andere Nutzpflanzen, die mit Pestiziden gespritzt werden. Als Schlange oder Spinne würde ich dann wohl auch in die Bioplantage umziehen.
Die Kokosnusswelt steckt voller Überaschungen und deswegen können die folgenden Beispiele nur eine kleine Auswahl davon bieten:
Angeblich werden jedes Jahr mehr Menschen durch fallende Kokosnüsse getötet als durch Haiangriffe. Laut einer Studie der University of Florida sterben jedes Jahr ungefähr 150 Menschen durch fallende Kokosnüsse - also 15 mal so viel wie durch Haiangriffe.
Vorsicht for fallenden Kokosnüssen!
Kokosnüsse können 4500 Kilometer über Monate im salzigen Meerwasser triften ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren.
Die Kokosnussernte wird auch heute noch manuell erledigt und ein schwindelfreier Mensch muss dafür oft auf die Kokopalme klettern, um die Nüsse zu erreichen. In Südindien/Kerala gibt es deswegen sogar eine eigene Kokosnussklettererlehranstalt. Erfarhren Sie hier noch mehr über die verschiedenen Kokosnusserntetechniken.
Das Kokosnusswasser der jungen Kokosnuss wird in Indien als Muttermilchersatz verwendet.
Kokosnussöl bringt von Natur aus eine Reihe besonderer Eigenschaften mit:
Schmelzpunkt und Länge der Fettsäureketten:
Das reine pflanzliche Öl hat aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung einen Schmelzpunkt bei 25°C. Unterhalb dieser Temperatur ist es weiß und streichfähig, über dieser Temperatur klar und flüssig. Eine gute Qualität von Kokosnussöl zeichnet sich unter anderem übrigens dadurch aus, dass sie glasklar ist bei warmen Temperaturen (siehe auch Blogeintrag über Qualitätsmerkmale bei Kokosnussöl). Der Schmelzpunkt von 25°C kommt durch unterschiedliche Fettsäurezusammensetzungen im Kokosnussöl zustande. Dabei ist zum einen die Kettenlänge der Fettsäuren ausschlaggebend und zum anderen die Anzahl der Doppelbindungen in der Struktur der Fettsäuren. Doppelbindungen in der Fettsäurekette senken den Schmelzpunkt eines Fettes. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Schmelzpunkt eines Öls umso höher ist, je länger die Fettsäureketten sind.
Mittelkettige Fettsäuren werden anscheinend vom Körper nicht so schnell in Fett umgebaut:
Kokosnussöl ist besonders reich an mittelkettigen Fettssäuren. Der Vorteil der mittelkettigen Fettsäuren ist, dass sie vom Körper ähnlich wie Kohlenhydrate zur direkten Energiegewinnung genutzt werden. Obwohl Öle von allen Nährstoffen den höchsten Energiegehalt haben, werden nicht alle Öle vom Körper auf gleiche Weise aufgenommen und weiterverarbeitet. Weiterlesen »
Wie bekommt man die Kokosnüsse bloß am besten von den Palmen? Das haben sich die Menschen sicherlich schon seit Jahrtausenden gedacht. Vor allem die grünen jungen Kokosnüsse müssen ja geerntet werden, weil man nicht warten kann bis sie vom Baum fallen. Es gibt also eine Reihe erprobter Methoden und in manchen Ländern ist die Technik fast eine eigene Wissenschaft: Weiterlesen »
Zur Abwechslung mal ein paar Zahlen aus der Kokosnusswelt:
Experten schätzen, dass es zwischen 10 und 11 Millionen Hektar Kokosnüsse gibt was in etwas einer Fläche von 15 Millionen Fussballfeldern entspricht bzw. ungefähr einem Drittel der Fläche Deutschlands.
90 Prozent dieser Kokosnussplantagen liegen in Asien und auf den Pazifischen Inseln, der Rest in Mittel- und Südamerika. Kokosnüsse wachsen in 90 Ländern rund um den Äquator. Weiterlesen »
Madonna hat sich in diesem Sommer unter anderem mit Kokoswasser auf ihre Europatour vorbereitet. Ihre neue Fitnesstrainerin Tracy Anderson schwört auf die energiegebende Wirkung von Kokoswasser, das sie Madonna und ihren anderen Kunden nach dem Training gibt. Das neue “Madonnatraining”, das helfen soll das jugendliche Aussehen der 51-jährige auch für die nächste Dekade zu bewahren, basiert allerdings nicht nur auf dem Konsum von großen Mengen Kokoswasser allein, sondern auch auf einem harten disziplinierten täglichen Training von mindestens 2 Stunden.
Wir können ja schon mal mit dem Kokosnusswasser anfangen.
Dass die Kokosnuss in vielen Ländern ein wichtiges Kulturgut ist, spiegelt sich oft auch in der Sprache wider. In vielen Sprachen gibt es nicht nur ein sondern gleich mehrere Worte für das, was wir allgemein als Kokosnuss bezeichnen.
Am größten ist die Auswahl vielleicht in der Sprache dem Inselstaats Tuvalu. Tuvalu liegt im Südwesten des Pazifischen Ozeans, östlich von Papua-Neuguinea und nördlich von Neuseeland. Es ist laut Wikipedia der viertkleinste Staat der Welt mit einer Fläche von 26 Quadratkilometern und nur 13,000 Menschen sprechen die Tuvaluische Sprache ‘te ggana Tuuvalu’. Trotzdem kennt die Tuvaluische Bevölkerung fünf Wörter für die Kokosnuss. In Abhängigkeit vom Reifungsgrad der Frucht heißt sie dort entweder Pii, Mukomuko, Uto, Motomoto, oder Utani. Pii ist die ganz junge Nuss und Utani die reifste Variante. Überhaupt kennen anscheinend fast alle Südseestaaten mindestens zwei Wörter für Kokosnuss und auch der Name der Kokosnussfirma KULAU bedient sich der Südseelinguistik: In der Sprache auf Papua-Neuguinea ist Kulau nämlich die Übersetzung für Junge Kokosnuss und Niu für reife Kokosnuss.
Auch in vielen Asiatischen Ländern scheint die linguistische Vielfalt erstaunlich. Auf Malaysisch zum Beispiel gibt es drei Worte für Kokosnuss: Kerambil, Buah nyior, und Kelapa. Ebenso in Indonesien: Kelapa, Bua (junge Nuss), und Tua (reife Nuss) und selbst im Japanischen und im Chinesischen gibt es noch jeweils zwei Worte: Kokonatisu und Yasinomi in Japan sowie Ye und Ye zi in China. Spannend wäre es mal zu erforschen wie viele Worte es für Kokosnuss alleine in Indien gibt. In einem Land mit uralter Kokosnusstradition und mehreren hundert Sprachen ist die Vielfalt sicher bemerkenswert. Interessant sind gerade in Indien nicht nur die lokalen, sondern auch die globalen Ähnlichkeiten, die eventuell dafür sprechen, dass die Kokosnusssprache genau wie die Nuss selbst weite Entfernungen und Ozeane überwinden konnte. Fast alle Namen für Kokos in den verbreiteten indischen Sprachen scheinen verwandt zu sein, z.B. auf Hindi nariyal, auf Urdu nariyel , auf Punjabi narial, auf Gujarati nariyel, auf Marathi naral, auf Bengali narokel, und auf Telugu narikelamu. Der erste Wortbestandteil erinnert an viele austronesische Namen von Kokos, z.B. auf Tagalog niyog, oder auf Malaysisch nyiur. Aber auch viel weiter weg von Indien trifft man auf erstaunliche Ähnlichkeiten, z.B. auf Hawaiianisch niu. Die spannende Frage bleibt, wo es die Kokosnuss zu erst auf der Welt gab und welche Sprache welche beinflusst hat. Vielleicht gibt es darüber bald hier an dieser Stelle bald mal einen weiteren Eintrag…oder vielleicht findet sich ja hier im Netz ein begeisterter Linguistikwissenschaftler, der uns viel mehr erzählen kann?
Kokosnussblog Herzlich willkommen im Kokosnuss-Blog. Auf dieser Seite möchten wir euch in die faszinierende Welt der Kokosnuss entführen. Wir freuen uns auf eure Kommentare und Vorschläge!